Der Medienblog

 
09.11.2009
15:06

Was hat LTE mit MUT zu tun?

Was hat LTE mit MUT zu tun? Die Medientage München wurden in diesem Jahr unter dem Motto MUT Medien und Transformation eröffnet. Da passt es natürlich ganz genau, dass aktuell das Thema LTE, die Abkürzung für Long Term Evolution als dem Nachfolger von UMTS in die Diskussion kommt. Die Datenübertragung im Handynetz wird so unkompliziert wie im Festnetz. Sekundenschnell können Daten geladen, Videosequenzen gesehen und Musik gehört werden. Weitreichende Informationen sind kurzfristig abrufbar, so können bspw. Patientenakten kurzfristig abrufbar werden, sollte dies in einem Notfall erforderlich sein. Weitere Bereiche der privaten Kommunikation, aber auch viele Lebensbereiche werden sich verändern. So können bspw. in der Fahrzeugnavigation Informationen per Echtzeit abgerufen und beim Stau die Zeit mit Fernsehen überbrückt werden. Mit dem echten Web 3.0 auf das mobile Handy mit seinen facettenreichen Funktionen können die Informationen in Text, Bild und Ton der etablierten Printmedien übertragen und natürlich zahlreiche neue Zielgruppen erschlossen werden, die heute den konventionellen Printmedien gegenüber eher vorsichtig eingestellt sind. Damit ergeben sich zahlreiche neue Herausforderungen auf die Inhalte, aber auch in Bezug auf Datenschutz, Urheberschutz etc. Wir dürfen gespannt sein, was nach den drei Medientagen in München für aktuelle Diskussionen aufkeimen. Wichtig wird es sein, die neuen Möglichkeiten zu nutzen, um die klassischen Medien in ihrem Fortbestehen zu sichern und mit neuen Themen bestehende Zielgruppen zu binden und Neue zu erschließen.

Globalisierung und Wirtschaftskrise: Sinus Milieus© zeigen gesellschaftliche Veränderungen

Mit der im Jahr 2005 von der MDG in Zusammenarbeit mit der Katholischen Sozialethischen Arbeitsstelle e.V., Hamm in Auftrag gegebenen Studie, wurden erstmals religiöse und kirchliche Orientierungen in der fast 30jährigen Geschichte der Milieuforschung des Instituts Sociovision erhoben. Das Heidelberger Institut hat seine Sinus-Milieus seit langem als bedeutendes Element in der Zielgruppenforschung positioniert.  Während die traditionelle Zielgruppenanalyse Medien- und Produktzielgruppen ausschließlich nach demografischen Merkmalen unterteilte, ging Sociovision einen Schritt weiter und bezog Lebensstile und Wertorientierungen in die Analyse mit ein. Das Ergebnis war das so genannte „Kartoffelchart“, wie man es heute oft salopp nennt, weil die eingetragenen Flächen der Form von Kartoffeln ähneln. Die vertikale Achse des Koordinatensystems zeigt die soziale Lage im Sinne einer demografisch basierten Schichtzuordnung mit Unter-, Mittel- und Oberschicht. In der horizontalen Achse wird die Werteorientierung abgebildet mit „Traditionellen Werten“, „Modernisierung“ und „Neuorientierung“.

 

Im Laufe der Jahre haben sich mit den Entwicklungen  in der Gesellschaft auch die Sinus Milieus verändert. So existiert beispielsweise das Anfang der 1980er Jahre links in der Mitte angesiedelte Kleinbürgerliche Milieu heute nicht mehr. An der Stelle befindet sich heute weitgehend das Milieu der Traditionsverwurzelten. Langfristig werden Milieus neu definiert und neu benannt. Aber auch in kurzen Zeiträumen können Veränderungen beobachtet werden. So bildet der gerade erschienene Ergänzungsband interessante Entwicklungen in Bezug auf die „Aktuelle Befindlichkeit“ der Milieus ab. Die gemessenen Veränderungen von Grundhaltungen und Denkweisen der Milieus sind insofern interessant als sie mit den aktuellen wirtschaftlichen Entwicklungen einhergehen. Globalisierung und Wirtschaftskrise betreffen die gesamte Bevölkerung. Aber sind auch alle Milieus in ihrer grundsätzlichen Werteorientierung betroffen? Das ist nicht unbedingt zu erwarten. In diesem Fall scheint es aber so zu sein.

 

Als Beispiel sei das Milieu der „Etablierten“ angeführt, das geprägt ist durch einen hohen Bildungsstand und finanzielle Unabhängigkeit sowie Erfolgsorientierung, Selbstbewusstsein, Anpassung an technologischen Wandel und Kulturinteresse. Die „Aktuelle Befindlichkeit“ der „Etablierten“ zeigt eine gegenläufige Strömung: man sieht sich einem verschärften Wettbewerb ausgesetzt und richtet sich darauf ein, seine privilegierte Lebenslage zu verteidigen. Der Ergänzungsband macht deutlich, wie unterschiedlich die Milieus mit den aktuellen ökonomischen Entwicklungen umgehen, denn nicht alle sehen diese als Herausforderung, der man sich stellen muss, sondern reagieren mitunter mit Resignation. Detaillierte Informationen u. a. zu den „Aktuellen Befindlichkeiten“ der Milieus und deren Mediaverhalten  können dem Ergänzungsband entnommen werden, der bei der bequem über das Online-Formular bei der MDG bestellt werden kann.

 

 

05.10.2009
10:01

Social Media Marketing - bereit zum Umdenken?

Social Media oder Web 2.0 sind die Schlagwörter, wenn es darum geht, die heutige Internetnutzung zu charakterisieren. Neben dem Abrufen von Informationen und Inhalten stehen nun das eigene Generieren von Inhalten und der Austausch mit anderen Usern im Vordergrund.

 

Auch viele Verlage und Buchhandlungen nutzen mittlerweile die Möglichkeiten von Social Media (bei Twitter, Facebook, Buchportalen etc.). Doch in wieweit haben sie sich wirklich auf die neuen Anforderungen, den dieser Paradigmenwechsel bedeutet, eingestellt? Wer es gewohnt ist, auf dem Wege klassischer, eindimensionaler Werbung eine mehr oder weniger anonyme, unbekannte Gruppe potenzieller Kunden anzusprechen, wird umdenken müssen.

 

So stellte die Social Media- und Community-Expertin Ruth Schöllhammer am 28.9.2009 auf dem Social Media Marketing Seminar der MDG fest: „Im Social Web sind Märkte Gespräche.“ Begibt sich ein Unternehmen mit seinen Themen in soziale Netzwerke, erfährt es, dass die Märkte dort aus einzelnen Menschen bestehen. Und für die Kommunikation mit diesen Individuen gelten alle Regeln eines normalen Gespräches: Da wird die Relevanz des Gesagten für das Gegenüber wichtig, aber auch der erkennbare eigene Standpunkt. Beliebigkeit und die 1:1-Adaption klassischer Werbeformen funktionieren dort nicht. Das stellt natürlich besondere Anforderungen an die in den Netzwerken Kommunizierenden, an die „Web 2.0-Emissäre“ der Unternehmen und geht bis hin zu der Frage, trete ich als Person oder "anonymer" Firmenaccount auf. Die großen Chancen des Social Web sieht Ruth Schöllhammer im unmittelbaren Feedback, das ich von anderen Usern auf mein Produkt, meine Ideen bekomme. Im Rahmen des eigenen Marketing-Mixes kommt den Social Media eher die Rolle des Empfehlungsmarktings zu. Über die Empfehlung von Experten und Multiplikatoren in den Netzwerken wird sich letztlich eine größere Nachhaltigkeit in der Kommunikation zum potenziellen Kunden einstellen.

 

Kritiker, zumeist diejenigen, die selbst nicht in Netzwerken aktiv sind, sehen eine Gefahr in der Virtualität und vermeintlichen Beliebigkeit des Mediums Internet und seiner Angebote für Vergemeinschaftungen. Auffällig ist jedoch die Rückbindung zur realen Gemeinschaft: So wachsen diejenigen Netze besonders schnell, die einen Bezug zur wirklichen Welt schaffen beziehungsweise eine reale Gemeinschaft online verlängern (s. MyHeimat, qype, stayfriends, aber auch zahllose Gruppen auf Facebook oder den VZs). Vier Faktoren sind für erfolgreiche soziale Netze im Netz von entscheidender Bedeutung: Lokales, Lebensumstände, Kontaktsuche und special interest – besonders wenn mindestens zwei davon sinnvoll miteinander verbunden sind.

29.09.2009
10:32

Kirchliche Sinnangebote im Web 2.0: Eine Studie zeigt Potenziale für die kirchliche Kommunikation

Verschiedenen Pressemeldungen war kürzlich zu entnehmen, dass die VZ-Netzwerke nun „Profile für Religionsgemeinschaften“ starten. Nachdem XING in seinem Business-Netzwerk Unternehmen die Möglichkeit für ein Profil gegeben hat, bekommen nun auch die Kirchen ein Gesicht in den sozialen Netzwerken. Sicher kein Zufall, dass erst kurz zuvor,  im Juni, eine umfangreiche Studie die Kirche im Internet zum Inhalt hatte. Mit der Studie „Kirchliche Sinnangebote im Web 2.0“, die von der von der Goethe-Universität Frankfurt am Main im Auftrag der Akademie-Bruderhilfe-Pax-Familienfürsorge durchgeführt wurde, liegt erstmals eine umfassende Analyse über die Präsenz der Kirchen im Internet, die Kommunikation über Glaubensthemen und die daraus resultierenden Konsequenzen für die Öffentlichkeitsarbeit der Kirchen vor. Die Erhebung führte Begriffe zusammen, die man normalerweise nur selten in der Kombination wahrnimmt: Online-Community, Xing, Youtube, Second Life, Twitter und Co. auf der einen Seite und Kirche, Glaube, Katholizismus etc. auf der anderen Seite.

 

Mit der Studie wurde ein wichtiges Instrument für die Kirchen im Hinblick auf die mediale Kommunikation der Zukunft geschaffen. Bekannt ist, dass das World Wide Web im intermedialen Vergleich immer stärker wird und schon lange zum Massenmedium avanciert ist. Wie die Studie aufzeigt, wird das Internet bei Jugendlichen zum wichtigsten Medium werden. Umso bedeutender ist es für die Kirchen im Netz präsent zu sein und seinen Mitgliedern adäquate Informations- und Interaktionsangebote zu unterbreiten. Aber es ist nicht nur essentiell, überhaupt im Web präsent zu sein, sondern auch in welcher Weise. Welche (Sinn)Angebote will man seinen Nutzern offerieren? In wie weit soll das Internet Plattform für die eigene Meinung sein? In welcher Weise will man sich im Rahmen bestehender populärer Webangebote wie beispielsweise  Facebook, Youtube oder StudiVZ engagieren?

 

Die Studie basiert auf der Online-Befragung von 700 Internetnutzern und anschließenden Einzelinterviews mit einer ausgewählten Gruppe. Die Ergebnisse der Studie geben in erster Linie Hinweise auf die Frage, wo überhaupt Kirche und Glaube im Web 2.0 vorkommen und in wie weit die Kommunikation über religiöse Themen stattfindet. Die Untersuchung richtet sich auf die Plattformen des Web 2.0. Als bedeutendstes Kriterium des Web 2.0 in Abgrenzung zum Web 1.0 wird der verstärkte Einsatz des „User Generated Content“-Konzepts angesehen. Der Internetnutzer ist also nicht nur Rezipient, sondern gleichermaßen auch Ersteller von Inhalten. Insofern stellen Communities bzw. Soziale Netzwerke einen wesentlichen Aspekt der Studie dar.

 

Die Studie zeigt, dass religiöse Internetnutzer die Sozialen Netzwerke nutzen und die Plattformen somit die pastorale Arbeit sehr gut unterstützen könnten. Die naheliegende Gruppenbildungsfunktion hat allerdings nur begrenzten Ausblick auf Erfolg, da Gruppen häufig nicht für die Kommunikation genutzt werden, sondern laut Studie nur der „Vernetzung“ dienen. Kirchliche Communities wie zum Beispiel vaticanfriends.com werden von Jugendlichen bisher wenig genutzt. Gespannt beobachtet man zur Zeit die Entwicklung der soeben gestarteten Community unter evangelisch.de. Sehr aufschlussreich sind auch die Ergebnisse hinsichtlich der Video-Nutzung. Genau wie das Community-Konzept werden auch Video-Plattformen als Motor des Internets angesehen. Die Mehrheit der Studienteilnehmer wünscht sich mehr kirchliche Präsenz in Videoplattformen wie Youtube, MyVideo oder Clipfish. Das ist insofern beachtlich als die Mehrheit einen kirchlichen TV-Sender ablehnt. Mit dem „Tagessegen“ wurde im Übrigen bereits eine katholische Video-Reihe im Netz positioniert. Die Abrufzahlen sind jedoch noch sehr gering.

 

Darüber hinaus wurden die Nutzung und Akzeptanz von Blogs, Bookmarkdiensten sowie Second Life und Twitter vor dem Hintergrund kirchlicher Themen und Inhalte untersucht. Insgesamt wollen die Internetnutzer auch kirchliche Inhalte auf den von Ihnen genutzten Plattformen. Die vorhandenen Inhalte, die zum Teil von Kirchen-Mitgliedern oder -Mitarbeitern ins Netz gestellt werden, haben vielfach noch Versuchscharakter und dienen im Moment noch mehr dem Sammeln von Erfahrungen als einer breit angelegten Kommunikation. Neben der Präsenz auf den populären Massen-Websites sollte jedoch auch eine moderne eigene Website der Kirchengemeinde im Fokus stehen und sei es nur die – wie der Studie zu entnehmen ist – kostengünstige Variante in Form eines Blogs.

Die Studie können Sie sich herunterladen unter www.kirche-im-web20.de.

 

 

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