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Globalisierung und Wirtschaftskrise: Sinus Milieus© zeigen gesellschaftliche Veränderungen
Mit der im Jahr 2005 von der MDG in Zusammenarbeit mit der Katholischen Sozialethischen Arbeitsstelle e.V., Hamm in Auftrag gegebenen Studie, wurden erstmals religiöse und kirchliche Orientierungen in der fast 30jährigen Geschichte der Milieuforschung des Instituts Sociovision erhoben. Das Heidelberger Institut hat seine Sinus-Milieus seit langem als bedeutendes Element in der Zielgruppenforschung positioniert. Während die traditionelle Zielgruppenanalyse Medien- und Produktzielgruppen ausschließlich nach demografischen Merkmalen unterteilte, ging Sociovision einen Schritt weiter und bezog Lebensstile und Wertorientierungen in die Analyse mit ein. Das Ergebnis war das so genannte „Kartoffelchart“, wie man es heute oft salopp nennt, weil die eingetragenen Flächen der Form von Kartoffeln ähneln. Die vertikale Achse des Koordinatensystems zeigt die soziale Lage im Sinne einer demografisch basierten Schichtzuordnung mit Unter-, Mittel- und Oberschicht. In der horizontalen Achse wird die Werteorientierung abgebildet mit „Traditionellen Werten“, „Modernisierung“ und „Neuorientierung“.
Im Laufe der Jahre haben sich mit den Entwicklungen in der Gesellschaft auch die Sinus Milieus verändert. So existiert beispielsweise das Anfang der 1980er Jahre links in der Mitte angesiedelte Kleinbürgerliche Milieu heute nicht mehr. An der Stelle befindet sich heute weitgehend das Milieu der Traditionsverwurzelten. Langfristig werden Milieus neu definiert und neu benannt. Aber auch in kurzen Zeiträumen können Veränderungen beobachtet werden. So bildet der gerade erschienene Ergänzungsband interessante Entwicklungen in Bezug auf die „Aktuelle Befindlichkeit“ der Milieus ab. Die gemessenen Veränderungen von Grundhaltungen und Denkweisen der Milieus sind insofern interessant als sie mit den aktuellen wirtschaftlichen Entwicklungen einhergehen. Globalisierung und Wirtschaftskrise betreffen die gesamte Bevölkerung. Aber sind auch alle Milieus in ihrer grundsätzlichen Werteorientierung betroffen? Das ist nicht unbedingt zu erwarten. In diesem Fall scheint es aber so zu sein.
Als Beispiel sei das Milieu der „Etablierten“ angeführt, das geprägt ist durch einen hohen Bildungsstand und finanzielle Unabhängigkeit sowie Erfolgsorientierung, Selbstbewusstsein, Anpassung an technologischen Wandel und Kulturinteresse. Die „Aktuelle Befindlichkeit“ der „Etablierten“ zeigt eine gegenläufige Strömung: man sieht sich einem verschärften Wettbewerb ausgesetzt und richtet sich darauf ein, seine privilegierte Lebenslage zu verteidigen. Der Ergänzungsband macht deutlich, wie unterschiedlich die Milieus mit den aktuellen ökonomischen Entwicklungen umgehen, denn nicht alle sehen diese als Herausforderung, der man sich stellen muss, sondern reagieren mitunter mit Resignation. Detaillierte Informationen u. a. zu den „Aktuellen Befindlichkeiten“ der Milieus und deren Mediaverhalten können dem Ergänzungsband entnommen werden, der bei der bequem über das Online-Formular bei der MDG bestellt werden kann.
Kirchliche Sinnangebote im Web 2.0: Eine Studie zeigt Potenziale für die kirchliche Kommunikation
Verschiedenen Pressemeldungen war kürzlich zu entnehmen, dass die VZ-Netzwerke nun „Profile für Religionsgemeinschaften“ starten. Nachdem XING in seinem Business-Netzwerk Unternehmen die Möglichkeit für ein Profil gegeben hat, bekommen nun auch die Kirchen ein Gesicht in den sozialen Netzwerken. Sicher kein Zufall, dass erst kurz zuvor, im Juni, eine umfangreiche Studie die Kirche im Internet zum Inhalt hatte. Mit der Studie „Kirchliche Sinnangebote im Web 2.0“, die von der von der Goethe-Universität Frankfurt am Main im Auftrag der Akademie-Bruderhilfe-Pax-Familienfürsorge durchgeführt wurde, liegt erstmals eine umfassende Analyse über die Präsenz der Kirchen im Internet, die Kommunikation über Glaubensthemen und die daraus resultierenden Konsequenzen für die Öffentlichkeitsarbeit der Kirchen vor. Die Erhebung führte Begriffe zusammen, die man normalerweise nur selten in der Kombination wahrnimmt: Online-Community, Xing, Youtube, Second Life, Twitter und Co. auf der einen Seite und Kirche, Glaube, Katholizismus etc. auf der anderen Seite.
Mit der Studie wurde ein wichtiges Instrument für die Kirchen im Hinblick auf die mediale Kommunikation der Zukunft geschaffen. Bekannt ist, dass das World Wide Web im intermedialen Vergleich immer stärker wird und schon lange zum Massenmedium avanciert ist. Wie die Studie aufzeigt, wird das Internet bei Jugendlichen zum wichtigsten Medium werden. Umso bedeutender ist es für die Kirchen im Netz präsent zu sein und seinen Mitgliedern adäquate Informations- und Interaktionsangebote zu unterbreiten. Aber es ist nicht nur essentiell, überhaupt im Web präsent zu sein, sondern auch in welcher Weise. Welche (Sinn)Angebote will man seinen Nutzern offerieren? In wie weit soll das Internet Plattform für die eigene Meinung sein? In welcher Weise will man sich im Rahmen bestehender populärer Webangebote wie beispielsweise Facebook, Youtube oder StudiVZ engagieren?
Die Studie basiert auf der Online-Befragung von 700 Internetnutzern und anschließenden Einzelinterviews mit einer ausgewählten Gruppe. Die Ergebnisse der Studie geben in erster Linie Hinweise auf die Frage, wo überhaupt Kirche und Glaube im Web 2.0 vorkommen und in wie weit die Kommunikation über religiöse Themen stattfindet. Die Untersuchung richtet sich auf die Plattformen des Web 2.0. Als bedeutendstes Kriterium des Web 2.0 in Abgrenzung zum Web 1.0 wird der verstärkte Einsatz des „User Generated Content“-Konzepts angesehen. Der Internetnutzer ist also nicht nur Rezipient, sondern gleichermaßen auch Ersteller von Inhalten. Insofern stellen Communities bzw. Soziale Netzwerke einen wesentlichen Aspekt der Studie dar.
Die Studie zeigt, dass religiöse Internetnutzer die Sozialen Netzwerke nutzen und die Plattformen somit die pastorale Arbeit sehr gut unterstützen könnten. Die naheliegende Gruppenbildungsfunktion hat allerdings nur begrenzten Ausblick auf Erfolg, da Gruppen häufig nicht für die Kommunikation genutzt werden, sondern laut Studie nur der „Vernetzung“ dienen. Kirchliche Communities wie zum Beispiel vaticanfriends.com werden von Jugendlichen bisher wenig genutzt. Gespannt beobachtet man zur Zeit die Entwicklung der soeben gestarteten Community unter evangelisch.de. Sehr aufschlussreich sind auch die Ergebnisse hinsichtlich der Video-Nutzung. Genau wie das Community-Konzept werden auch Video-Plattformen als Motor des Internets angesehen. Die Mehrheit der Studienteilnehmer wünscht sich mehr kirchliche Präsenz in Videoplattformen wie Youtube, MyVideo oder Clipfish. Das ist insofern beachtlich als die Mehrheit einen kirchlichen TV-Sender ablehnt. Mit dem „Tagessegen“ wurde im Übrigen bereits eine katholische Video-Reihe im Netz positioniert. Die Abrufzahlen sind jedoch noch sehr gering.
Darüber hinaus wurden die Nutzung und Akzeptanz von Blogs, Bookmarkdiensten sowie Second Life und Twitter vor dem Hintergrund kirchlicher Themen und Inhalte untersucht. Insgesamt wollen die Internetnutzer auch kirchliche Inhalte auf den von Ihnen genutzten Plattformen. Die vorhandenen Inhalte, die zum Teil von Kirchen-Mitgliedern oder -Mitarbeitern ins Netz gestellt werden, haben vielfach noch Versuchscharakter und dienen im Moment noch mehr dem Sammeln von Erfahrungen als einer breit angelegten Kommunikation. Neben der Präsenz auf den populären Massen-Websites sollte jedoch auch eine moderne eigene Website der Kirchengemeinde im Fokus stehen und sei es nur die – wie der Studie zu entnehmen ist – kostengünstige Variante in Form eines Blogs.
Die Studie können Sie sich herunterladen unter www.kirche-im-web20.de.




